Diözese Eisenstadt
Aktuell
Bischof
Über uns
Pfarren
Kirchenbeitrag
Frauen, Männer, Familie
Junge Kirche
Bildung
Für die Seele
Info, Hilfe
Pfarren
Pfarrmosaik

Pfarrmosaik

© Diözese Eisenstadt

Donnerstag, 6. März 2014

Die Dommusik in der Fastenzeit

(c) Diözese Eisenstadt/WalterFikisz
Die sonntägliche 9 Uhr-Messe in der Eisenstädter Domkirche wird Woche für Woche mit besonderer Kirchenmusik gestaltet. Von vielen Mitfeiernden wird das kulturelle Engagement gut angenommen und nicht selten auch mit Beifall bedankt.
Gab es um den Gottesdienstbesuch bei der 9 Uhr-Messe noch vor einigen Jahren ernsthafte Sorge, so scheint sich die Feier nun wieder zu beleben, nicht zuletzt durch die Teilnahme von Gläubigen, die bisher nicht regelmäßig im Dom zu Gast waren.

Zum letzten Sonntag vor der Fastenzeit gab es musikalisch einen festlichen Akzent mit Trompete und Orgel. In der Fastenzeit selbst ist die musikalische Leuchtkraft der Liturgie entsprechend abgesetzt; nichtsdestoweniger Sorgfalt kam der Werkauswahl zugute.

Die Liturgie zum Aschermittwoch gestaltete der Domchor mit traditionellen Motetten sowie mit Chorsätzen zum neuen Gotteslob.

Am 1. Fastensonntag spielt Domorganist Mag. Robert Kovacs Orgelwerke von Carl Philipp Emanuel Bach, dem bedeutendsten Musiker unter den Söhnen von Johann Sebastian Bach, dessen 300. Todestag am Vortag, 8. März, gedacht wird. Joseph Haydn sagte über ihn: „Wer mich gründlich kennt, der muss finden, dass ich dem Emanuel Bach sehr vieles verdanke, dass ich ihn verstanden und fleißig studiert habe.“ In der Tat erfuhr Carl Philipp Emanuel Bach zeitlebens uneingeschränkte Bewunderung und Anerkennung, insbesondere als Lehrer und Komponist von Werken für Tasteninstrumente.

Am 3. Fastensonntag ist im Dom die fünfstimmige Missa „Ecce quam bonum“ von Hans Leo Hassler zu hören. Hassler - man gedenkt in diesem Jahr seines 450. Geburtstags - ist einer der wichtigsten Vokalkomponisten der Spätrenaissance; mit der Melodie zu „O Haupt voll Blut und Wunden“ ist er jedem Kirchgänger bekannt.
Neben der kompositorischen Tätigkeit beschäftigte sich Hassler mit der Herstellung von Orgelautomaten. Dieses originelle Interesse teilte 200 Jahre später auch Joseph Haydn in Eisenstadt.

Der 4. Fastensonntag wird von Gregorianischen Chorälen geprägt, unter anderem mit der Missa Quadragesima und dem bekannten Introitus „Lætare Jerusalem“.

Der 5. Fastensonntag bringt Musik aus den Violoncello-Sonaten von Benedetto Marcello, dessen 275. Todestag heuer bedacht wird. Einer venezianischen Advokatenfamilie entstammend war er zeitlebens als Rechtsgelehrter tätig, unter anderem als Mitglied des Obersten Gerichtshofs und als Gouverneur der Republik Venedig, kurzzeitig sogar in Kroatien. Daneben galt Marcellos Leidenschaft dem Komponieren; mit der ersten Vertonung italienischer Psalmparaphrasen erlebte er europaweiten Ruhm. Unserer Zeit ist er vor allem in klangschöner Kammermusik bekannt, darunter sechs Sonaten für Violoncello und Orgel.

Seltenes bringt die Dommusik am 2. Fastensonntag, nämlich das Deutsche Hochamt „Hier liegt vor deiner Majestät“ von Michael Haydn in einer weitgehend unbekannten Fassung. Zur Entstehung: die josephinischen Reformen im ausgehenden 18. Jahrhundert hatten der Gottesdienstkultur harte Beschneidungen beschert. Die traditionsreiche lateinische Musik wurde untersagt (nicht zuletzt deshalb unterbrach Joseph Haydn für 14 Jahre seine Messen-Komposition), und stattdessen deutscher Volksgesang angeordnet.
Editorische Grundlage der verordneten Gesänge war das Landshuter Gesangbuch des Franz Kohlbrenner, einem Wegbereiter der Aufklärung in Bayern, „Der heilige Gesang zum Gottesdienste in der römisch-katholischen Kirche. Erster Theil“. Es verbreitete die Liturgie in deutscher Sprache, erstmals ist hierin der liturgische Gesang als Singmesse konzipiert (1777).

Das Buch beinhaltete auch den Text von „Hier liegt vor deiner Majestät“, den Haydn in unterschiedlichen Fassungen vertont hat: als Zwiegesang in den heute bekannten Melodien (Gotteslob Nr. 801 bzw. 710) und, in ganz anderer Art, als kunstvolles Kleinod für zwei Sopransoli, Frauenchor, Hörner, Kontrabass und konzertierende Orgel. Die zweite Fassung wurde erst im Jahr 1929 wieder aufgefunden; sie gilt bis heute als Rarität in der heimischen Sakralmusik.

Die Dommusik bringt eine Kombination der beiden Fassungen, die zudem sämtliche Strophen des Originaltextes bündelt; im bisherigen „Gotteslob“ wurde der Text nur verstümmelt wiedergegeben.
Das neue Gotteslob bietet wieder den vollständigen Text, wofür sich nicht zuletzt Diözesanbischof Mag. Dr. Ägidius Zsifkovics sehr engagiert hat.

Thomas Dolezal

Diözese Eisenstadt
7000 Eisenstadt, St. Rochus-Straße 21 | T 02682/777 | Impressum

Anregungen
E-Mail
Facebook